Im Mai geht es um Netflix, Zukunft, Bosnien und die Schwerhörigkeit der EU

Der sprießende Mai brachte Europhonica eine prall gefüllte deutsche Sendung.

Fünf Teilnehmer mit 4,5 Themen in der dritten Ausgabe der Sendung dieses Jahr. Diesmal ging es um…

…EINEN SCOOP: DIE EU-KOMMISSION INTERESSIERT SICH FÜR DIE MEINUNG DER BÜRGER!
Annika Will, freie Journalistin aus Straßburg, sah mit erstaunen dass die als bürgerferne abgestempelte EU-Kommission weitgehend unbekannte Online-Bürgerkonsultationen durchführt mit adrett verklausulierten Fragen, mit niedlichen EUismen verziert, die beide nicht zum Verständnis beitragen.

…WARUM KANN ICH NETFLIX NICHT IM AUSLAND GUCKEN?
William Hammer von politix EU fragte sich warum heißt es world-wide-web, aber Online-Dienste wie Spotify oder Netflix kann man nur in einem Land gucken? Er hat sich den Gesetzesvorschlag zur “Grenzüberschreitende Portabilität von Online-Diensten”, so heißt das in der EU-Sprache, zur Brust genommen. Er sprach dafür mit dem Assistent der ex-piraten jetzt-grünen Abgeordneten Julia Reda, Christopher Clay.

…DIE ZUKUNFT DER STAATENBUNDS
Wohin geht es mit der EU nach der Frankreich-Wahl? fragte sich Michelle Benzing von XEN.ON TV, bzw. fragte sie das Barbara Lochbihler (Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz) die seit 2009 die Grünen vertritt. Und sollte man den EU-Gegnern, die kontinentweit sprießen, nicht eine kulturelle europäische Identität entgegensetzen? Zwischen den Zeilen erkannte man unterschiedlich gelagerte Erwartungen an die EU.

…KOMMEN DIE BOSNIER BALD IN DIE EU?
Wenigstens für Außenstehende scheint die EU noch attraktiv, sonst gäbe es keine Verhandlungen mit Bosnien-Herzegovina. Die Vorstufe zu Beitrittsverhandlungen heisst SAA – Stabilitäts- und Assoziierungsabkommen. Welchen Herausforderungen steht das nach den Wirren des Jugoslawienkrieges entstandenen Minilandes gegenüber? Das besprach Arthur Molt von Treffpunkt Europa mit den EU-Abgeordneten Igor Soltes (Fraktion GUE/NGL) aus Slovenien und Jozo Rados (Fraktion ALDE) aus Kroatien.

…DER EUROPÄISCHE GERICHTSHOF ENTSCHEIDET FÜR DIE BÜRGER
Da der ungarische Abgeordnete György Schöpflin der EPP/Fidesz in letzter Minute absagte, kam es nicht zum Gespräch über die Ohrfeige für die EU-Kommission. Diese wurde ihr vorige Woche vom Europäischen Gerichtshof verpasst, um die chronische Taubheit für Bürgerbelange radikal zu kurieren.

Im Klartext: Die Kommission lehnte die Petition vom Netzwerk STOP TTIP, ab, trotz der 3,5 Mio gesammelten Unterschriften (Europhonica berichtete), mit der Begründung, Bürger dürften sich nicht in Gesetzgebungsverfahren einmischen. Auch nicht mit den in den EU-Verträgen vorgesehenen Instrument EBI, die europäische Bürgerinitiative. Das Gericht wies das als unzulässig zurück: Bürger dürfen sich sehr wohl in Angelegenheiten der EU einmischen! Bald kommt ein Interview mit dem Abgeordneten Sven Giegold und dem Koordinator der Stop TTIP Bewegung Michael Efler, der mittlerweile Abgeordneter in Berlin ist. György Schöpflin hatte einen Bericht über den vielleicht größten Flop der EU geschrieben: die Beteiligung der Bürger.

Ganz schön kompliziert das Ganze. Ein Blick in die Koordinierungsstelle für Radios, die VOX BOX.

 

DIE EU IST EINE FREMDSPRACHE
Und keine leichte. Allein die Abkürzungen mit denen man im EU-Gefilde jongliert zeigen wieviel Vorwissen oft vorausgesetzt wird: in dieser Sendung geht es um SAA, EBI, EuGH. Zum Glück versteht sich Europhonica auch als Sprachenunterricht: EU für Anfänger und mittlere Fortgeschrittene!

Durch die Sendung führte nicht wie immer, aber wie so oft, Adrian Garcia-Landa von Kiez.FM. Aber diesmal wirklich wie immer: Wer mitmachen will, der melde sich unter mail@kiez.fm